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Über Gruppenanalyse
Die gruppenanalytische Sichtweise – wie sie der Psychoanalytiker S.H. Foulkes in den 40er Jahren des
letzten Jahrhunderts begründet hat – integriert psychoanalytische, soziologische, gestaltpsychologische
und neurologische Elemente.
Die Gruppenanalyse beschäftigt sich in all ihren Anwendungen immer mit dem Einzelnen und seinen
Beziehungen sowie seinen wenig bewussten und bislang unbewussten Motivationen, wie er diese gestaltet.
Je nach Zielsetzung oder Anwendung variiert jedoch der Fokus der angestrebten Erkenntnisse und die
"Tiefe" der Reflexion.
Eine kurze Beschreibung der wichtigsten Konzept-Bausteine:

Knotenpunkt
Jeder einzelne Mensch wird in eine Gruppe von Menschen hineingeboren. Jeder bildet seine Individualität
in und durch Beziehungen zu anderen aus. In der Begegnung mit anderen lernen wir es uns zu verständigen
und im Kontakt mit anderen machen wir uns Bilder davon, wie die Welt "funktioniert".
Daher begreift die Gruppenanalyse jeden Menschen als Knotenpunkt in einem Netz von Beziehungen.
Diese Sichtweise ist ein konstituierendes Element der Gruppenanalyse und weitreichender für das Verstehen
von Zusammenhängen als es auf den ersten Blick aussieht.

Matrix
Kommt eine Gruppe zum ersten Mal zusammen, so bringen die Mitglieder ihre Gefühle und Erfahrungen aus
aktuellen und vergangenen Beziehungen in die Gruppe mit ein. Alle diese Beziehungserfahrungen - man spricht
von intrapsychischen, interpersonalen und transpersonalen Beziehungen - bilden zusammen die Matrix.
Die transpersonelle Matrix ist der gemeinsame Boden oder Grund der Gruppenmitglieder.
Die Matrix entwickelt sich im Laufe des Bestehens der Gruppe durch die Interaktionen der Mitglieder
ständig weiter. Die Matrix kann auch als Potential einer Gruppe verstanden werden.
Figur-Grund-Phänomen
Ein weiteres zentrales Element der Gruppenanalyse ist das aus der Gestaltpsychologie übernommene
Figur-Grund-Phänomen. Jeder kennt diese Kippbilder, in denen man z.B. entweder eine Vase oder ein
Gesicht erkennen kann, je nachdem, welchen Teil des Bildes man als Hintergrund definiert.
Der Soziologe Norbert Elias hat in seiner Arbeit über die Beziehung von Individuen und Gesellschaft
eine allgemeine Bedeutung dieses Phänomens herausgearbeitet.
"Man stelle sich als Symbol der Gesellschaft etwa eine Gruppe von Tanzenden vor. Man denke an
höfische Tänze, Francaise und Quadrille, oder …einen bäuerlichen Reihentanz. Die Schritte und
Verbeugungen, alle Gesten und Bewegungen, die der einzelne Tänzer hier macht, sind ganz auf
die von anderen Tänzern abgestimmt. Würde man jedes der tanzenden Individuen für sich betrachten,
man könnte den Sinn, man könnte die Funktion seiner Bewegungen nicht verstehen. Die Art, wie sich
der Einzelne hier verhält, ist bestimmt durch die Beziehungen der Tanzenden zueinander." (Elias, S. 38)
Einzelne Szenen und Szenenfolgen, die sich in einer Gruppe abspielen, kann man als "Figur" nur
verstehen, wenn man wie bei den Tanzenden den "Grund" der Gruppe mit hinzunimmt.
Unbewusste Kommunikation
Die Gruppenanalyse geht davon aus, dass wir sehr viel mehr wahrnehmen als uns bewusst wird.
Unsere Reaktionen auf diese unbewussten Wahrnehmungen sind meist ebenfalls unbewusst
(z.B. Projektion, projektive Identifizierung, Übertragung/Gegenübertragung).
Beziehungs-Erfahrungen, die wir im Laufe unseres Lebens gemacht haben, strukturieren unsere
Erwartungen, Gefühle und Verhaltensweisen anderen gegenüber. Wir neigen dazu, Interaktionsmuster
aus früheren Lebensabschnitten quasi automatisch zu wiederholen.
Die Gruppenanalyse nutzt diese Neigung, um mit der Zeit Erkenntnisse über diese Muster herauszuarbeiten.
Erst wenn Motive und Zusammenhänge für Verhaltensweisen bewusster werden, werden sie einer
Veränderung zugänglich.
Containment
Das Konzept des Containers entdeckte Bion im Zuge seiner psychoanalytischen Entwicklungstheorie.
Ein Säugling hat sensorische Empfindungen wie Hungergefühle oder Ängste, deren Bedeutung er aber
noch nicht begreift. Er versucht sich den Eltern mitzuteilen. Die Eltern verarbeiten ihrerseits die Eindrücke,
die sie von ihrem Kind empfangen und geben sie in verwandelter Form an ihr Kind zurück. Bion beschreibt
es so: Erfahrungen, denen noch keine Bedeutungen zugewiesen werden können, werden von wichtigen
Anderen aufgenommen, in psychisch bedeutungsvolle Gefühle verwandelt und zurückgegeben.
Ähnlich verhält sich der Leiter einer gruppenanalytischen Gruppe. Belastende Gefühle oder Erfahrungen,
von denen die Gruppenmitglieder berichten, und deren Bedeutung für sie zunächst unklar bleibt, akzeptiert
er als existierende Fragen. Er nimmt sie als zu klärende Dinge an und deponiert sie sozusagen in sich.
Wenn nach und nach im gemeinsamen Interaktionsprozeß mit der Gruppe ein Verständnis für die Bedeutung
in ihm gereift ist, teilt er dies in geeigneter Form mit und gibt auf diese Weise das "Deponierte" zurück.
Containment gehört in entsprechend spezifischer Form zur Aufgabe jeder Leitung.

Anmerkung zur Geschichte der Gruppenanalyse
Die noch von S.H. Foulkes selbst mitbegründete "group-analytic society" in London initiierte Anfang der
achtziger Jahre die Gründung einer Reihe europäischer gruppenanalytischer Institute - auch das Institut für
Gruppenanalyse Heidelberg, IGA, wurde in dieser Zeit gegründet. Seitdem hat sich die Gruppenanalyse als
eigenständige Methode weiter entwickelt und gewinnt heute besonders in ganz Europa immer mehr an Einfluss.


Literatur
Ausführlichere Erläuterungen finden sich z.B. in:
S.H. Foulkes, Praxis der gruppenanalytischen Psychotherapie, München 1978
Norbert Elias, Die Gesellschaft der Individuen, Frankfurt a.M. 1988
W. Bion, Lernen durch Erfahrung, Frankfurt a.M. 1974
"Gruppenanalyse" , Zeitschrift des Instituts für Gruppenanalyse Heidelberg

 

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